Ich bin Claudia Langendorff, Lehrerin in Köln. Ich engagiere mich seit vielen Jahren in der Sterbebegleitung und für Menschen, die Unterstützung oder konkrete Hilfen benötigen.
Mein besonderes Augenmerk aber liegt auf dem Schutz unserer Kinder, die den ausschreitenden Formen von (sexualisierter) Gewalt, auch im digitalen Raum, unterliegen. Die Dimensionen schockieren und machen fassungslos. Die leidvollen, brutalen, teils rituell strukturierten Prozesse, denen sich Kinder mehr und mehr hilflos ausgesetzt sehen, produzieren bei ihnen neben physischen Verletzungen auch lebenslange psychische hohe Belastungen, Störungen und Traumata und stellen eine massive Verletzung ihrer persönlichen Integrität dar. Es zeichnen sich im Gewaltbereich gegen Kinder vielfältige neue „Trends“ ab, an denen Millionen „Nutzer“ zu deren Nachteil beteiligt sind. Das Dunkelfeld von Missbrauchsfällen liegt bei 90 Prozent (Prof. Jörg Fegert) und die polizeiliche Ermittlungsarbeit wird oftmals erschwert, da digitale Identitäten nicht offengelegt werden dürfen. Jede einzelne Tat in diesem Bereich ist für jedes einzelne Kind eine Fahrt durch die Hölle und kein einziges Kind kann sich selbst helfen! Das stellt uns vor signifikante Herausforderungen. Wir müssen also mitwirken, eine gemeinsame Haltung finden und präventive Maßnahmen institutionalisieren, damit das Leid der Betroffenen ein Ende findet.
Mein umfassendes Schutzkonzept I CARE FOR YOU gegen alle Formen von Gewalt für die einzelnen Klassen in der Grundschule greift diese Problematik auf und prägt in einem System verschiedener Module und Maßnahmen die Schülerinnen und Schüler mental und sozial, damit ihre Ressourcen mobilisiert werden können und Autonomie zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Sicherheit wird.
Die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 (vom 20.4.2026) registriert im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 8,5 Prozent mehr Straftaten im Bereich Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexueller Übergriffe in besonders schweren Fälllen. Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischen Inhalten liegen immer noch auf hohem Niveau mit 41.677 Fällen, die zur Anzeige gebracht wurden.
Wir müssen zum Schutz unserer Kinder wirkmächtige, prozessorientierte präventive Kinderschutzkonzepte mit strategischen Zielen entwickeln, damit wir kontinuierlich sprach- und handlungsfähig sind.
Am 6. April 2022 verabschiedete der Landtag in NRW das Landeskinderschutzgesetz, damit Kinder und Jugendliche sicher aufwachsen können. Diesbezüglich werden nunmehr verpflichtend Mindeststandards für alle Institutionen erhoben, die mit Kindern arbeiten. Jede Grundschule z. B. muss ein prozessorientiertes Kinderschutzkonzept konzipieren und sich insbesondere in einem Organisationsentwicklungsprozess mit den eigenen Strukturen auseinandersetzen.
Es ist besser ETWAS zu tun als NICHTS zu tun!
Rainer Becker